Metakognitive Therapie

Anders als bei der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), geht man bei der metakognitive Therapie (MKT) davon aus, dass für die Entstehung einer psychischen Störungen nicht das Was, sondern das Wie des Denkens eine entscheidende Rolle spielt. Es geht in erster Linie also nicht darum, Denkprozesse zu verändern, sondern einen Abstand (Meta) zu ihnen herzustellen. Ja einen anderen Umgang damit zu erlernen. Auch spielt die innere Einstellung zu Gedanken und zum Grübeln eine Rolle. Zu erkennen, dass es durchaus in unserer Macht liegt, Grübelschleifen zu durchbrechen.

In neueren Studien wurde gar festgestellt, das die MKT eine signifikant höherer Erfolgsquote bei Depressionen und Ängsten aufweist, als jede andere Therapieform. Mich erfreut dies insofern besonders, als in der MKT viele bereits aus der buddhistischen Psychologie bekannten Grundlagen zum Einsatz kommen.

Für die Entwicklung der MKT ist wohl hauptsächlich der britische Psychologe Adrian Wells verantwortlich. Er interessierte sich dafür, warum manche Menschen nach einer leidvollen Erfahrung mit einer psychischen Störung reagieren und manche eben nicht. Er stellte die These auf, dass es damit zusammenhängt, wie wir mit unseren Gedanken und Gefühlen umgehen. Und zwar nicht was wir denken und fühlen, sondern wie wir damit umgehen. Dies konnte er anschließend erfolgreich in Studien nachweisen.

Unsere Psyche hat wie auch unser Körper hervorragende Selbstheilungskräfte. 

Jedoch müssen wir unserer Psyche die Möglichkeit geben, diese auch arbeiten zu lassen. An einer Metapher möchte ich dies gerne erklären. Wenn Sie sich mit dem Küchenmesser verletzen, ist Ihr Körper in kürzester Zeit in der Lage die Wunde zu schließen. Dies völlig ohne unser zutun. Im Gegenteil, würden wir an der Wunde ständig herumdoktern, wäre damit der Heilungsprozess gestört. Im ungünstigsten Fall, würde sich die Wunde entzünden oder zumindest verschlimmern. Ähnlich ist dies mit der Selbstregulierung unserer Psyche. Auch hier setzt relativ rasch Heilung ein, allerdings nur dann, wenn wir die “Finger” davon lassen.

Grübeln löst nicht das Problem, sondern verschlimmert es.

Wenn wir jedoch immer wieder in Gedanken am Problem herumdoktern, uns damit stundenlang beschäftigen, kann keine Heilung entstehen. Schlimmer noch, evtl. entsteht hierdurch sogar eine psychische Störung. Viele Menschen sind der Meinung, wenn sie nur lange genug grübeln, werden sie eine Lösung finden. Wichtig ist an dieser Stelle, die Korrektur dieser (falschen) Grundüberzeugung.

Losgelöste Achtsamkeit

In der MKT als losgelöste Achtsamkeit bezeichnet, wird die Fähigkeit, Gedanken und Gefühle mit Abstand zu betrachten. Diese Fähigkeit ist uns allen gegeben so Wells. Eine schöne Metapher, die ich bereits aus dem Buddhismus kenne ist der Vergleich “Wolken und Gedanken”. Gedanken ziehen wie Wolken vorüber. Wir lassen dies geschehen, ohne daran festzuhalten. Zwischendurch scheint die Sonne, dann ist es auch wieder einmal bewölkt.

Aufmerksamkeitstraining

Ein weiteres Element ist das Aufmerksamkeitstraining. Einzuüben und zu erfahren, die Aufmerksamkeit jederzeit gezielt lenken zu können, wird als wichtiges Werkzeug in der MKT eingeübt. In unserem Beispiel weg vom Grübeln, hin zu etwas anderem, wie Geräusche etc.

Alles in Allem, stellt für mich die Metakognitive Therapie nichts wirklich Neues dar, da ich viele darin enthaltenen Elemente und Werkzeuge bereits aus der buddhistischen Psychologie kenne. Dennoch freut es mich sehr, dass immer mehr dieser alten Weisheiten in die moderne, westliche Psychologie Einzug halten und dessen hohe Wirksamkeit sogar durch Studien belegt werden.

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