Ego – Freund oder Feind?

Was ist das Ego?

Um einen Einstieg in das Thema zu finden, müssen wir zuerst einmal den Begriff “Ego” definieren.

Ego ist die lateinische Übersetzung für “Ich”. In der westlichen Psychologie wird hier auch vom “Selbst” gesprochen.

Vermutlich reicht die Definition alleine jedoch noch nicht aus, denn wie sollte diese Bezeichnung nun einen Freund oder Feind darstellen?

 

Wozu das Ego?

Es gibt uns eine Identifikation. Wir können dank des Egos sagen “ich bin”. 

Ich bin Rainer….

Ich bin Vater….

Ich bin Berater…

Ich bin ängstlich….

Ich bin ein Versager…

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wichtig dabei ist die Erkenntnis, dass wir uns mit sehr vielen Dingen identifizieren, dies also unserem “Ich”, unserem Ego zu schreiben. Manches davon ist wichtig und notwendig, damit wir uns in dieser Welt zurechtfinden und miteinander interagieren können. Hier scheint uns das Ego also nützlich, ja sogar lebensnotwendig zu sein. Einiges davon ist allerdings sehr subjektiv und hindert uns in unserer freien Entfaltung. Denn welche Eigenschaften wir uns zuschreiben, wie z.B. “ich bin ängstlich, ein Versager usw. ist wenig hilfreich und meist trotzdem in unserem Ego verankert. Jedoch ist das Ego nicht in Stein gemeißelt und nicht fix. Vielmehr handelt es sich dabei um ein (teilweise) nützliches Konstrukt unseres Verstandes.

 

Ego als Feind

Leider gibt es jedoch auch eine Kehrseite der Medaille. Nämlich dann, wenn wir unser Ego allzu ernst nehmen. Sie kennen sicherlich den Spruch, “nimm es nicht persönlich.” Soll heissen, das Gesagte oder Getane, hat nichts mit Ihnen, also mit Ihrem Ego zu tun. Sie können gerne einmal überprüfen, wie oft Ihnen das gelingt, es nicht persönlich zu nehmen.

Selbstverständlich, nehmen wir angenehme Dinge oder Äußerungen gerne persönlich. Bei angenehmen Dingen ist dies auch kein Problem. Geht es allerdings um etwas Unangenehmes, fühlt sich unser Ego häufig bedroht. Dies hat zur Folge, dass der Körper und der Geist in Alarmbereitschaft versetzt wird. Ziel dieser Reaktion ist, dem potentiellen Angriff bestmöglichst begegnen zu können.

Warum das Ego manche Umstände als Angriff wertet, ist leicht erklärt. Es hat Angst, seine Identifikation zu verlieren, oder zumindest beschädigt zu wissen. Deshalb reagieren wir ähnlich, wie bei einem körperlichen Angriff. Mögliche Reaktionen hierbei sind, “Angriff, Flucht oder Resignation.” Hierbei handelt es sich um unser Jahrtausende altes Standard- Notfallprogramm. Mehr gibt unser Gehirn in solch einer Situation meist nicht mehr her. So ist es uns häufig nicht mehr möglich, zu begreifen, dass wir gar nicht angegriffen werden.

Zusätzlich wird die Lage dadurch erschwert, dass unser Gegenüber ebenfalls mit einem Ego ausgestattet ist und seinerseits darauf reagiert. Nicht selten entsteht daraus Krieg. Dies kann im kleinen und unter Partnern und Freunden geschehen, jedoch auch zwischen Ländern und Nationen. Vielleicht werden Sie mir mittlerweile zustimmen, dass der Feind in diesem Fall im eigenen Ego und nicht beim Gegenüber zu finden ist. Nicht nur, dass wir unnötig Krieg führen, sondern auch der Umstand ständig auf der Hut zu sein, um mögliche Angriffe abzuwehren, kostet Energie und Lebensqualität.

 

Ego als Freund

Sicherlich werden Sie sich jetzt fragen, was können wir nach dem oben gesagten tun? 

Die Lösung liegt nicht wie häufig beschrieben in der Eliminierung des Egos, denn wir brauchen es (siehe oben). Allerdings nicht immer und nicht in jeder Situation. Deshalb ist es wichtig, dass wir das Ego bewusst nutzen und nicht das Ego uns. Nehmen Sie sich (Ego) nicht immer so ernst. Glauben Sie nicht alles,  was Sie für Ihr “Ich” halten. Denken Sie daran, dass Sie lediglich das sind, wofür Sie sich halten. Achten Sie bewusst darauf, ob Sie tatsächlich angegriffen werden und wählen Sie eine der Situation angemessene Reaktion. Mir gefällt hierbei sehr gut die Parabel zu Aikido. Hier begegnen Sie dem vermeintlichen Gegner nicht durch Angriff, sondern Sie treten zur Seite. Wenn Sie sich also angegriffen fühlen, es persönlich nehmen, dann treten Sie zur Seite. Betrachten Sie anschließend das Geschehen aus einer Metaebene.

Mir ist durchaus bewusst, dass es nicht einfach ist, unser Katastrophengehirn diesbezüglich in Schach zu halten. Jedoch mit einem wachen und achtsamen Geist, lässt sich hier einiges in Richtung Freundschaft bewegen.

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