Gedanken beobachten

In der Regel sind wir sehr häufig unseren Gedanken ausgeliefert. Jenem ständig plappernden ₁Affengeist, der völlig ohne unser zutun seine Arbeit verrichtet. Handelt es sich dabei zusätzlich um belastende oder sorgenvolle Gedanken, leiden wir.

Sowohl in der Buddhistischen Psychologie, als auch in manchen westlichen Therapieverfahren wie der ACT (Akzeptanz- und Commitmenttherapie), ist das betrachten der Gedanken, eine wirkungsvolle Übung um eine Distanz zu den Gedanken herzustellen.

Wenn wir nicht mit unseren Gedanken verschmelzen, bzw. die wahre Natur der Gedanken erkennen können, schafft dies zwangsläufig einen Abstand zwischen uns und unseren Gedanken. Dieser Abstand, bzw. diese Distanz macht uns handlungsfähig. Wir können frei entscheiden, ob wir dem Gedanke folge leisten, oder ob wir eine andere Richtung einschlagen.

Dies benötigt allerdings etwas Übung und Disziplin. Stellen Sie sich vor, Sie möchten an einem Marathon teilnehmen. Hierzu bedarf es eines regelmäßigen Trainings, um die Marathon-Distanz unbeschadet zu durchlaufen. Auch werden Sie eine gewisse Disziplin benötigen, um immer wieder die Laufschuhe anzuziehen, auch wenn Ihnen einmal nicht danach ist. Ähnlich ist es auch bei der von mir beschriebenen Übung. Haben Sie etwas Geduld und Sie werden bemerken, dass es Ihnen immer leichter fallen wird nicht mit Ihren Gedanken zu verschmelzen.

Probieren Sie es doch gleich einmal aus:
Suchen Sie sich einen ruhigen Ort an dem Sie völlig ungestört sind. Setzen Sie sich aufrecht hin und schließen Sie die Augen. Beobachten Sie, welcher Gedanke in Ihr Bewusstsein tritt. Nehmen Sie lediglich wahr, welcher Gedanke auftaucht. Sollte der Gedanke auftauchen, „ich habe gerade gar keine Gedanken“, dann ist dies auch lediglich ein Gedanke, den es zu beobachten gilt. Achten Sie einmal darauf, wie Ihr Verstand ständig Gedanken hervorbringt, bewertet, plant und vorhersagt, und dies ohne Ihr eigenes zutun. Achten Sie auch auf Gedankenpausen, auf wechselnde Gedanken oder darauf, wie sich die Gedanken anfühlen. Beobachten Sie einfach, bewerten Sie die Gedanken nicht, teilen Sie die Gedanken nicht in gute oder schlechte. Nehmen Sie lediglich wahr, welche Gedanken grade auftauchen und lassen Sie diese wieder ziehen.
Wenn Sie so weit sind, öffnen Sie wieder die Augen und beenden Sie die Übung.

₁Eine beliebte Metapher im Buddhismus, für die ständig herumspringenden Gedanken.