Die Redewendung „Blut ist dicker als Wasser“ impliziert, dass familiäre Bindungen stärker und bedeutungsvoller sind als jede andere Beziehung. Doch in einer Welt, die sich ständig wandelt, stellt sich die Frage, ob diese traditionelle Sichtweise noch immer Gültigkeit hat.

Die Bedeutung des Sprichworts liegt in der Idee, dass die Verbindung zu Blutsverwandten eine tiefergehende und unzerbrechlichere Bindung schafft als jede andere Beziehung. Familie, so heißt es, ist ein unverrückbares Band, das über alle Höhen und Tiefen des Lebens hinweg besteht. Doch moderne Gesellschaften zeigen zunehmend, dass Familie nicht nur auf biologische Verwandtschaft beschränkt sein muss.

Die Idee, dass man sich seine Familie nicht aussuchen kann, steht im Kontrast zu der Vorstellung, dass man sich Freunde und Lebenspartner nach eigenem Ermessen aussucht. Doch viele Menschen erleben, dass nicht verwandtschaftliche Beziehungen genauso stark und unterstützend sein können wie blutsverwandte.

Freundschaften, die über die Jahre gewachsen sind, können eine emotionale Tiefe erreichen, die der familiären Liebe in nichts nachsteht. Menschen suchen sich zunehmend ihre „gewählte Familie“ aus, indem sie enge Beziehungen zu Menschen aufbauen, die sie schätzen, respektieren und lieben. Diese Verbindungen können genauso stabil und unterstützend sein wie traditionelle Familienbande.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Diskussion nicht darauf abzielt, die Bedeutung der biologischen Familie zu schmälern. Vielmehr soll sie verdeutlichen, dass familiäre Bindungen nicht ausschließlich durch Blutsverwandtschaft definiert werden. In einer Zeit, in der Menschen oft weit verstreut leben und unterschiedliche Lebensmodelle pflegen, gewinnt die Idee, dass man sich seine Familie aussuchen kann, an Relevanz.

Liebe Leserinnen und Leser, es liegt in der Verantwortung eines jeden Einzelnen, zu entscheiden, was für ihn persönlich bedeutsam ist. Manche Menschen finden Trost und Unterstützung in ihrer biologischen Familie, während andere tiefe Verbindungen außerhalb dieser Kreise suchen. Letztendlich sind es die emotionalen Bindungen, die zählen – unabhängig davon, ob sie durch Blutsbande oder bewusst gewählte Beziehungen entstehen.

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