Leid

31. März 2020

In der buddhistischen Psychologie spielt das Leiden eine zentrale Rolle. Man könnte fast schon sagen, durch das Leiden ist der Buddhismus überhaupt erst entstanden. Siddharta Gautama oder auch der Buddha gennant, machte sich vor ca. 2500 Jahren auf, um das Leiden zu erforschen und zu beenden. Die vier edlen Wahrheiten (aus Buddhas erster Lehrrede), sind die buddhistische Grundlage für die Entstehung von Leid (dukkha).

Eine der Kernaussagen ist, dass das Leben ständiger Veränderung unterliegt, und bedingt durch Alter, Krankheit und Tod letztendlich leidvoll ist. Die Unwissenheit und der Versuch dieser Tatsache zu entkommen, bzw. jeglicher Widerstand gegen diese Realität, schafft (selbsterzeugtes) Leid.

Auch in modernen Psychotherapie-Verfahren wie der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) macht man sich diese Erkenntnis zu nutze. Hier ist die Rede von „sauberem“ und „schmutzigem“ Leid. Wobei das schmutzige Leid dadurch entsteht, dass wir versuchen mithilfe von Strategien unangenehme innerliche Zustände zu vermeiden. Da diese Strategien lediglich nur sehr begrenzt funktionieren und negative Konsequenzen für unser Leben nach sich ziehen, entsteht „schmutziges“ Leid.

Deshalb spielt hier wie auch in der buddhistischen Psychologie die Akzeptanz eine ganz entscheidende Rolle. Und zwar in der Form, wie es auch im sog. Oetinger-Gebet zitiert wird:
Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Das eine vom anderen zu unterscheiden und auch die Bereitschaft hierzu, ist ein zentraler Bestandteil von ACT und der buddhistischen Psychologie. Beiden gleich ist auch die wichtige Rolle der Achtsamkeit, wenn es darum geht, durch wertungsfreie innere Beobachtung diese Weisheit zu erlangen.

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